Patent Ochsner

2014 war es, da liegt der Ursprung des neuen Patent Ochsner-Albums „Cut up“. Büne Huber, der Sänger und Songschreiber von Patent Ochsner, war eben im Begriff seine zehnjährige Arbeit an der Rimini-Trilogie mit dem Album „Finitolavoro“ sinnig zu beenden, stand vor einer schrecklich einladenden Leere und flüchtete sicherheitshalber erst mal gegen Süden. Seine Rechnung ging auf, die Zwischenstationen der Reise, sei es Roquebrune-Cap-Martin oder Villajoyosa, entpuppen sich nun als Geburtsorte jener 13 Geschichten, die sich auf Cut up vereinen. „Cut up“ ist die nächste Kreativtechnik, die Huber anwendete. Die Beatautoren erfanden sie einst, indem sie ihre Notizen zerschnitten und nach dem Zufallsprinzip zu neuen Texten zusammensetzten. Auch Büne sammelte auf seiner Reise wie besessen: Geschichtsfragmente, Skizzen, Bilder, Bonmots, schlüpfrige Kehr- und Schüttelreime und bedenkliche Sottisen, verschnippelte dann wie weiland Jack Kerouac sein Treibgut und schusterte es neu zusammen. Die Grundlage für die Cut-up-Songs, die Huber mit der Ochsner-Familie einspielte, war geschaffen. Songs, die ganz und gar im Leben gründen, denn fast zu viel hat dieses für Büne Huber bereitgehalten, letzthin. Kinder kamen, ein Enkelkind kam, die Mutter ging, zu früh, wie alle Mütter. Aber jene Reise nach dem vagen Ziel Callosa an der Costa Brava hat Wunder gewirkt und wurde zum Fundament für ein gelassen fröhliches Album, randvoll mit berückenden Liebesliedern und grossherzigen Lebenshymnen. Da hat einer zurückgeschaut, sinniert und Ballast abgeworfen und sich neu justiert. Viele Lieder beschreiben diesen Moment des Übergangs. Büne Huber hat sich vom alten amerikanischen Jazz und vom französischen Chanson inspirieren lassen. Das hört man nicht direkt, aber die sonderbare Eleganz von Cut up – die kommt wohl dort her. Auch die Texte zielen ohne grosse Umschweife auf den Punkt, sind seltener blumig und öfter reduziert auf ihren Kern, auf das Maximum also. Grosse Gefühle in einfache Worten zu fassen, das ist vom Schwierigem das Schwierigste. Büne Huber kann das.

Und so vereint Cut up 13 neue Ochsner-Songs, strukturiert von drei irrwitzigen, englischen Vignetten, die den jeweiligen Stand der Reise und den jeweiligen Zustand des Zuhörers unter die Lupe nehmen. Aus den Verwerfungen des Lebens hat Büne Huber Geschichten und Songs destilliert, authentisch, mit grossem Herz und hellwachem Verstand.

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